Ziele, Zielkonflikte und Logistikkosten

Kapitel 3 · Supply Chain Management & Distribution

Prof. Dr. Thomas Kirschstein

Grundlagen des SCM - Kosten & Management

Grundlagen des Supply Chain Managements

  • Aufgaben, Begriffe und Konzepte
  • Ziele & Zielkonflikte
  • Kosten & Management

Lernziele

Nach dieser Einheit können Sie …

  • zentrale ökonomische, ökologische und soziale Ziele des Supply Chain Managements benennen,
  • Zielkonflikte zwischen Service, Beständen, Transport, Kosten und Nachhaltigkeit analysieren,
  • wesentliche Komponenten von Logistikkosten erläutern und quantifizieren,
  • geeignete Kennzahlen zur Bewertung logistischer Entscheidungen auswählen und interpretieren.

Literatur zur Vertiefung

Arten von Zielen im Unternehmen

Ebenen im Managementsystem

(Dyckhoff 1998)

Ziele im Managementsystem

Ziele in Logistik und SCM

Traditionelle Zielmetriken

  • Lieferzeit: Zeitspanne zwischen Auftragserteilung und Auftragserfüllung
  • Liefertreue: Verhältnis zwischen zugesagtem und tatsächlichem Liefertermin
  • Lieferqualität: Anteil qualitativ und quantitativ korrekt ausgeführter Aufträge
  • Flexibilität/Resilienz: Realisierbarkeit kurzfristiger Mengen-, Termin- und Spezifikationsänderungen
  • Information: Qualität und Transparenz der Information in allen Phasen der Auftragsabwicklung
  • Kosten: Effizienz aller Logistikaktivitäten, Gesamtkosten der logistischen Aktivitäten

Zieldimensionen

Konflikte & Profile

Zieldimensionen

Zielprofile

Logistikkosten

Abwägungsentscheidungen in Logistik und SCM

  • In vielen Teilbereichen der Logistik widerstreitende Kostenkomponenten \(\rightarrow\) Kostenoptimum existiert (zumindest theoretisch)
  • Logistikmanagement heißt u.a. Entscheidungen über Logistiksysteme treffen
  • Transparenz der Kostenfunktionen z.T. stark eingeschränkt
    • Datenverfügbarkeit
    • Intertemporale Zurechenbarkeit
    • Kostenträgerschaft
    • Stochastizität

Logistikkosten

Beispiele

Logistikkosten

bewerteter Verzehr von Sachgütern und Dienstleistungen zum Zweck der Erbringung logistischer Dienstleistungen.

Supply Chain Costing

Beispiel – Apple Video IPod 30 GB

(Dedrick 2012)

Sustainable Supply Chain management

Nachhaltigkeit als Zieldimension

Definition Nachhaltigkiet (Versuch)

Ein Gesellschaftssystem wird als nachhaltig bezeichnet, wenn es intra- als intergenerativ gerecht angesehen werden kann. Gerecht heisst „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können” (Hauff 1987)

Nachhaltigkeit & nachhaltige Entwicklung

Mögliche Zieldimensionen

(Baumast and Pape 2013)

Ökologischer strategic fit

Ökologieorientierung und Betroffenheit (Günther 2008)

Ökologieresistenz

Hohe Betroffenheit, aber geringe Ökologieorientierung. Typisch sind verzögernde oder minimalistische Reaktionsmuster.

  • SKW Piesteritz (Chemie)
    nur regulatorische Mindestanpassung; ökologische Investitionen werden verschoben, Lobbyismus

Dimensionen ökologischer SCM-Strategien

Nachhaltigkeit

Allgemeine Konzepte (Ellen MacArthur Foundation)

Nachhlatigkeitspyramide

Kreislaufwirtschaft

Circular Supply Chain

Zusammenhang von linearer, reverser und zirkulärer Supply Chain

Sustainable SCM

bezeichnet die Planung, Ausführung und Kontrolle von Geschäftsprozessen unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Ziele um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Supply Chain sicherzustellen.

Sustainable Supply Chain Management

  • Circular Product Design
    • Recyclingfähigkeit
    • Wiederverwendung
    • Recycled content
  • Sustainable logistics
    • Gewichtsreduktion
    • Distanzreduktion
    • Transportvermeidung
  • Circular production
    • Erneuerbare Energie
    • Verwendung von Produktionsabfällen
    • Kreislaufführung von Betriebs- und Hilfsstoffen

Sustainable SCM

Planungsaufgaben

(Stindt 2017)

Circular Supply Chain Management

Normstrategien

Circular Supply Chain Management

Normstrategien

Circular Supply Chain Management

Normstrategien

Circular Supply Chain Management

Normstrategien

Fallbeispiel SushiFresh GmbH

Die Geschäftsidee

SushiFresh GmbH ist ein Start-up, das täglich frisch hergestellte Sushi-Boxen in einer deutschen Metropolregion anbietet.

  • Versprechen: „Heute gefertigt, heute verkauft” – Sushi in Restaurantqualität, aber ohne Wartezeit
  • Produktion: eine zentrale Küche, Fertigung in den frühen Morgenstunden
  • Absatzkanal: Supermärkte (Regalverkauf)
  • Sortiment: ca. 12 Boxen (klassisch, vegetarisch, vegan)

Eckdaten

  • Haltbarkeit: max. 24–36 Stunden
  • Kühlkette: durchgehend 0–4 °C
  • Zutaten: Reis, Nori, Gemüse (regional), Lachs und Thunfisch (Import)
  • Nachfrage: stark schwankend (Wochentag, Wetter, Events)
  • Verkaufsstart: Wachstum von 3 auf 30 Verkaufsstellen geplant

Fallbeispiel SushiFresh GmbH

Diskussion

Leitfragen: Strategische Position

  • Welche Kundengruppen und Bedürfnisse steuern die Positionierung – Preis, Frische, Bequemlichkeit oder Nachhaltigkeit?
  • Wie unterscheidet sich SushiFresh von Wettbewerbern (Restaurants, Lieferdienste, Supermarkt-Sushi)?
  • Welche Zielkonflikte entstehen (Frische vs. Kosten vs. Ausschuss vs. Umwelt)?
  • Wo liegt das Unternehmen zwischen Effizienz und Reaktionsfähigkeit? Welche Zielgrößen sind strategisch wichtig?

Leitfragen: Supply-Chain-Struktur

  • Wie geht die Supply Chain mit schwankender Nachfrage und schnell verderblicher Ware um?
  • Wie lassen sich Kühlkette und Frische über die gesamte Kette sichern?
  • Welche Stufen und Partner gehören zur Supply Chain (Lieferanten, Küche, Logistik, Handel)?
  • Wie sollte die Supply Chain strukturiert werden Zentralität vs. Dezentralität?
  • Welche Wertschöpfungstiefe könnte SushiFresh anstreben? (z.B. eigene Logistik?)

Ziel: Erstellen Sie eine strategische Analyse des Geschäftsmodells von SushiFresh. Leiten Sie eine geeignete Struktur der Supply Chain ab.

Baumast, Annett, and Jens Pape, eds. 2013. Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement. UTB / Verlag Eugen Ulmer.
Dedrick, Jason. 2012. Who Profits from Innovation in Global Value Chains? iPhones and Windmills.
Dyckhoff, Harald. 1998. Grundzüge Der Produktionswirtschaft: Einführung in Die Theorie Betrieblicher Wertschöpfung. 2nd ed. Springer.
Dyckhoff, Harald, Richard Lackes, and Joachim Reese, eds. 2008. Nachhaltige Unternehmensführung: Grundlagen Und Konzepte. Springer.
Günther, Edeltraud. 2008. Ökologieorientiertes Management: Um-(weltorientiert) Denken in Der BWL. Lucius & Lucius.
Günther, Hans-Otto, and Horst Tempelmeier. 2012. Produktion Und Logistik. 9th ed. Springer-Lehrbuch. Springer.
Hauff, Volker, ed. 1987. Unsere Gemeinsame Zukunft: Der Brundtland-Bericht Der Weltkommission für Umwelt Und Entwicklung. Eggenkamp.
Stindt, Dennis. 2017. “A Generic Planning Approach for Sustainable Supply Chain Management-How to Integrate Concepts and Methods to Address the Issues of Sustainability?” Journal of Cleaner Production 153: 146–63.
Tripp, Christoph. 2024. Distributions- Und Handelslogistik. 3rd ed. Springer Gabler.